Die Kraft der Stille

Posted by on Jan 26, 2018 in ALLGEMEIN | No Comments
Die Kraft der Stille

Das Mindeste, das man von Leuten verlangen kann, die Probleme mit der Kommunikation haben, ist: daß sie die Klappe halten. Nicht von mir, sondern von Tom Lehrer (von dem auch “Tauberlvergiften im Park” stammt, was Georg Kreisler allerdings zeitlebens in Abrede stellte). Ist heute natürlich politically völlig incorrect, und natürlich so auch nicht ganz richtig. Aber einer der Gründe dafür, weshalb ich mich beim Bloggen in den letzten Wochen derart zurück gehalten habe. Nicht, daß ICH Probleme mit der Kommunikation hätte – aber leider viel zu viele ANDERE.

Es ist gar nicht lange her, da raunte mir ein wohlwollender ORF-Kollege in aussichtsreicher Position vertrauensvoll zu: “… Du hängst nicht SEHR an Deinem Job, gell …?”. Was er mir damit sagen wollte ist, daß ich mich doch nicht zu jedem Dreck (dazu zähle ich mitunter auch die Folgen demokratischer Wahlen) äußern – und somit exponieren solle. Ist doch unnötig, bringt nix und könnte mir schaden. Tut´s mitunter auch, aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn ich mich zuletzt zurückgenommen habe, dann liegt das möglicherweise auch daran, daß ich mit manchen Äußerungen mittlerweile auch der Dame meines Herzens schaden könnte. Die hat nämlich letzten Herbst – ich hab´s bisher noch gar nicht erwähnt – so was Ähnliches wie “Karriere” gemacht (Applaus). Allerdings ist sie (zumindest) nach innen hin deutlich zarter besaitet als ich, hat nun selbst mehr als genug um die Ohren & soll sich nicht mit irgendwelchen Leuten auseinander setzen müssen, denen ich überdeutlich die Meinung geige. Hätte sie das jemals erwähnt, wäre es ihre mit Abstand preisgünstigste Bitte der letzten sechs Jahre gewesen, aber wohl unerfüllt geblieben. So ist es nichts anderes als vorauseilender Gehorsam meinerseits. Oder beginnende Altersmilde. Oder beides.

Ich hab also NICHTS in Sachen Politik gepostet, mich für KEINE Partei und für KEINEN Wiener Bürgermeisterkandidaten ins Zeug gelegt, NICHTS zum Jahreswechsel, zur Uhrenmesse in Genf oder zum (so genannten) Akademikerball in Wien geäußert. Den geistigen Gesundheitszustand des US-Präsidenten lasse ich genau so unkommentiert wie den des österreichischen Innenministers – außerdem bin ich ja (sobald ich mein imaginäres ORF-Reporterkapperl auf hab) zu Objektivität verdonnert. Selbst, wenn mir was G´scheites einfallen sollte, müßte ich mich wahrscheinlich postwendend dafür entschuldigen, wie es auch Catherine Deneuve oder Matt Damon kürzlich passiert ist. Sollte man mir hingegen zustimmen wär´s NOCH schlimmer, dann wäre ich nämlich ein “Influencer”: studiert man die Gästelisten internationaler Parties, bei denen ich freundlicherweise immer noch geduldet bin, ist das heutzutage die bereits größte Berufsgruppe & verbreitet sich offenbar ebenso schnell wie die gleichnamige Grippe. Hat angeblich mitunter auch ähnliche (Neben-)Wirkungen.

Aber EINES sag ich doch: bei der Premiere von Peter Turrinis “Fremdenzimmer” im Theater in der Josefstadt haben wir einen tollen (und wichtigen!) Abend erlebt – und als Regisseur & Direktor Herbert Föttinger bei der Feier danach Parallelen zwischen dem Stück und der Realität zog hörte ich, wie er die Namen “Kickl” und “Landbauer” nannte. “Für solche Politiker ist in Österreich kein Platz!”, rief er ins Publikum. Tosende Ovationen. Im Augenwinkel sah ich das Ehepaar Sissy und Erwin Pröll mitklatschen. Wie gesagt: toller Abend. Und irgendwie wichtig. Und mehr sag ich gar nicht.