Donna Anna & Co.

Posted by on Aug 7, 2017 in MUSIK & THEATER | No Comments
Donna Anna & Co.

Ach ja, Salzburg: die originalen Mozartkugeln bei Fürst (… welche wohl sonst …?) kosten mittlerweile € 1,30 das Stück, die renommierte Galerie Budja rechnet – angesichts der geschmacklosen Bilder, die dort zu sehen sind – ganz offensichtlich mit der unmittelbar bevorstehenden Rückkehr russischer Oligarchen, und der einst große Rolando Villazon gleicht ob des Vollbarts, mit dem er sich neuerdings verkleidet, mehr denn je einem Stummfilmkomiker, der auf CliniClown macht.

Paßt die neue Buhlschaft WIRKLICH zu Moretti? Gibt es irgendwo auf dieser (trotz allem: immer noch) schönen, weiten Welt vielleicht einen NOCH lustigeren Regisseur als Peter Sellars, eine hoffnungsvollere Sängerin als Marianne Crebassa, oder einen besseren Dirigenten als Mariss Jansons? Alles Nebensache. Weil: alles “Aida”.

Zum Glück gibts in Salzburg keine Filiale der gleichnamigen, penetrant zuckerlrosa gefärbten Kaffeekonditorei, die ich seit jenem Tag, an dem der Eigentümer das wunderschöne, denkmalgeschützte Art-Deco-Stammhaus in der Wiener Porzellangasse, gleich bei mir ums Eck, zerstören ließ, boykottiere. Dafür gibts hier das Tomaselli, das angeblich älteste Café Österreichs, wo man sich in der Regel schon ein bisserl Zeit nehmen sollte, bis man von einem Ober bemerkt wird – dafür sollte man sich nach dem Servieren des 4-Euro-Espresso rasch wieder schleichen, um Platz für andere Touristen zu machen, die ebenfalls geneppt werden wollen.

“Aida” ist ausverkauft. Restlos. Nicht einmal jene Mitglieder der Vereins “Freunde der Salzburger Festspiele”, die gewollt hätten, konnten Karten bekommen; Premierentickets sollen am Schwarzmarkt um 3000 bis 4000 Euro gehandelt worden sein. Alle wollten Riccardo Muti hören. Und natürlich die Netrebko. Angela Merkel soll einen Sitzplatz ergattert haben. Auch Thomas Gottschalk, Richard Lugner und der Cousin der Queen. Domingo nicht, aber der wurde am Bühnenrand gesichtet. Wahrscheinlich hat er Beziehungen.

“Und: wie war´s”, wurde ich gleich danach gefragt. Obwohl ich einen großartigen Opernabend durchleben durfte, gab ich nicht gleich Antwort. Vielleicht hat man sich selbst die Erwartungshaltung davor schon in so lichte Höhen geschraubt, daß sie kaum noch zu erfüllen ist. Wie beim Genuß eines großartigen Weins, der ausgezeichnet mundet, dessen astronomischen Preis man aber (leider) kennt.

Und genau dort liegt möglicherweise eines der Probleme des ganzen, internationalen Kulturbetriebs: daß es ZUVIELE gibt, die eher einem bekannten (und vor allem: teuren) Etikett vertrauen, als ihrem eigenen Geschmack. Das soll die Qualität der hochpreisigen Markenware keineswegs schmälern. Aber auch nicht ganz den Appetit auf Neues nehmen. Mit Markus Hinterhäuser steht da seit heuer ein neuer Chef am Salzburger Festspiel-Herd, der köstliche Überraschungen verspricht. Den Namen seines Vorgängers hat man hier übrigens bereits vergessen.

Ehe ich´s vergesse: Donna Anna war natürlich großartig. Weltklasse! Die Inszenierung ebenso hölzern wie ästhetisch. Und der mittlerweile 75jährige Maestro Riccardo Muti wird mir – TROTZ seiner merkwürdigen “Rigoletto”-Interpretation, Anfang der 1980er Jahre an der Wiener Staatsoper – schön langsam richtig sympathisch. Wenn er dann 100 wird, werde ich ihn vielleicht sogar lieben – falls ich das erlebe.