Frauen und Bewunderer

Posted by on Feb 20, 2018 in ALLGEMEIN | No Comments
Frauen und Bewunderer

Eben habe ich meine Unterstützungserklärung für das “Don´t smoke”-Volksbegehren unterschrieben – gar nicht, weil ich so sehr vom Inhalt überzeugt bin, auch nicht, weil ich neugierig war, ob die Server des Innenministeriums “zufällig” wieder im Schneckentempo schleichen, sondern weil mich die Gesundheitssprecherin einer Regierungspartei (Namen braucht man weder erwähnen noch sich merken) mich dazu verleitet hat: das Volksbegehren sei “parteipolitisch und unseriös”. Ersteres war ich NIE, zweites IMMER. Möglicherweise also so, wie an die 200.000 (noch immer) an direkte Demokratie glaubenden ÖsterreicherInnen in nur vier (computertechnisch vom Innenministerium verpfuschten) Tagen. Wären die alle TATSÄCHLICH “parteipolitisch” motiviert, wären die letzten Wahlen wohl ganz anders ausgegangen!

Ein individuelles Verständnis von Demokratie demonstriert auch ein ehemalige FPÖ-Justizminister, der seit Jahren sehr erfolgreich an Oldtimer-Rallyes teilnimmt: ihm verdanken wir nicht nur die Wiederholung der Präsidentschafts-Wahl vor 2 Jahren (die uns einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet und ansonsten keine Veränderung, dafür eine sauteure Bestätigung gebracht hat), sondern auch Einblicke ins moderne Frauenbild von seinesgleichen: kritisiert er doch öffentlich die Generalprokuratur, die ihn mit seiner Beschwerde gegen die BUWOK-Richterin abblitzen ließ. Weil sie anders als er (und seinesgleichen) NICHT glaubt, daß die Frau Richterin im 21. Jahrhundert die “aggressiv bösartige Haltung ihres Ehegatten zum Hauptangeklagten” (dem schönsten Finanzminister aller Zeiten, für den bis Sankt Nimmerlein die Unschuldsvermutung gilt) vollinhaltlich teilen MUSS.

Und dann erfuhr ich von Erika Pluhar, Konrad Paul Liessmann und Rainer Rosenberg auf Ö1, daß in einer Hochschule in Berlin ein Gedicht entfernt werden soll, das 1951 den Lyrikpreis gewonnen hat und so lautet:

“Alleen
Alleen und Blumen
Blumen
Blumen und Frauen
Alleen
Alleen und Frauen
Alleen und Blumen und Frauen und
ein Bewunderer”

Das Problem bei dem Gedicht: der BEWUNDERER! Die Bewunderung von Frauen – so hat man 65 Jahre später jetzt eindeutig festgestellt – sei nämlich “sexistisch und diskriminierend”. Der Über-“Witz”: es ist auf SPANISCH geschrieben, die oben angeführten Zeilen sind eine Übersetzung; vorbei gehende Frauen, die der spanischen Sprache vielleicht nicht mächtig sind, könnten aber ihren Inhalt FÜHLEN und sich verletzt fühlen.

Erika Pluhar, die man mit Fug und Recht “Feministin” nennen (manche würden korrigieren: schimpfen) darf, erinnerte sich mit großer Freude und gar nicht gemischten Gefühlen daran, selbst bewundert worden zu sein – und bewundert zu haben; und daran, daß abseits aller #metoo-Debatten Frauen in den meisten Teilen dieser Welt noch immer den gesllschaftlichen Status von Tieren haben.

Was das alles miteinander zu tun hat? Ganz einfach: unser aller Augenmerk wird auffällig unauffällig auf Nebensächlichkeiten gelegt. Damit wir uns – wie Neil Postman es so trefflich formuliert hat – “zu Tode amüsieren”. Oder: damit der ganz normale, alltägliche Faschismus sich gleichsam unbemerkt einschleichen kann. Sagt Erika Pluhar. Wollen wir darüber nachdenken …?