Jenseits von Fernsehen

Jenseits von Fernsehen

Weil´s immer heißt: “… hab ich eh letztens im Fernsehen gesehen …!” – mit Verlaub: stimmt nicht (immer)! Natürlich, die “Gypsy”-Musical-Premiere an der Volksoper z.B. wird derzeit medial auf- & abgefeiert, ganz zu Recht übrigens, auch wenn ein paar “… ja schon, ABER …” gerechtfertigt wären … doch wie sagte der wunderbare Michael Heltau in der Pause so trefflich: “Jedes Mal, wenn ich in eine Vorstellung gehe, freue ich mich wahnsinnig darauf!” – vielleicht die optimistischste Aussage, die man zum Theater machen kann!

Halt, das war´s aber noch nicht: Tags zuvor gingen nämlich die Dame meines Herzens (die jetzt scheinbar Karriere macht … da DARF ich gratulieren & MUSS mich z´ammreißen …!) & ich “to a marvelous party”, wie Noel Coward wohl gesagt hätte: Sissy und Max Strauss luden in ihr (beinah noch) neues Domizil in Wien zum Saison-Opening. “Was, Ihr wart noch NIE hier?”, fragte Georg Markus auf dem Weg dorthin hoch erstaunt, “es sieht genauso aus wie in New York – sie haben alles in Containern nach Wien gebracht und hier neu aufgebaut!”.

Mehr als 40 Jahre lang war Sissy die “Mama” der MET, und alles, was in der Opernwelt Rang & Namen hat, landete meist früher als später bei ihr & Max. Zunächst kochte sie immer Gulasch, doch als dann oft an die 200 Gäste zu ihren berühmten Parties kamen, wechselte sie zu Pasta. Und wenn einmal NOCH mehr da waren, wurde die eben mit Paradeissauce gestreckt. Zu Sissy & Max kam & kommt man ja nicht (nur), um zu essen.

Als wir eintrafen gingen gerade Danielle Spera & Gery Keszler, gleich beim Eingang stand Ioan Holender (& tat sich – wie immer – mit dem Grüßen schwer), auf dem 260m2-Antiquitäten- & Erinnerungsparcour dahinter begegneten wir den Brauers, den Schenks, den Suppans, den Zedniks, den Rathkolbs, der zauberhaften Lydia Baich (samt 4beinigem Anhang), dem phantastischen Pianisten Helmut Deutsch, dem stets heiteren Michael Birkmeyer, dem umtriebigen Daniel Serafin, und noch vielen anderen. Dazwischen die halbe Opernwelt, von Juan Diego Florez über Elena Maxima, Kurt Rydl und Ildiko Raimondi bis Piotr Beczala, der ein kleines, exclusives Hauskonzert gab (… nun, so exclusiv auch wieder nicht: schließlich war es zu diesem Zeitpunkt bereits spät nachts, die Fenster zur Straße geöffnet, und bei Piotrs derzeitiger Welt-Form konnte wohl halb Wien zuhören …!). Alle waren da. Außer eben Photographen und Kamerateams. Schade, sagen Sie? – Sie mögen recht haben – aber dann wäre der Abend vielleicht anders verlaufen, eben nicht so “privat” …

Was den Bogen zurück zum Musical spannt: in der Oscarnacht 1959 war “Gigi” Abräumer des Jahres: 9 Oscars nach 9 Nominierungen, u.a. für den besten Film des Jahres. Produzent Arthur Freed nahm diese Trophäe entgegen, und bei der Party danach fragte die berüchtigte Hermione Gingold (die in “Gigi” mit Maurice Chevalier das berühmte Duett “I remember it well” sang): “Sagen, Sie, Mr. Freed, was genau ist eigentlich ihre Leistung bei unserem Film?”. In die etwas peinliche Stille antwortete Textdichter Alan Jay Lerner: “Mr. Freeds Leistung ist, daß wir heute alle mitfeiern können!”. Keine Mikrophone, keine Kameras haben diese Anekdote festgehalten. Und doch ist sie unvergesslich – genau wie die Party bei Sissy & Max.