Perfectly Frank

Perfectly Frank

“Hurch zua”, antwortete ich einer zugeneigten, stets um Harmonie bemühten, Produzenten(beinah-)gattin auf die Frage, ob ich für meinen nächsten ORF-III-Weihnachts-3-Teiler denn kürzlich ein Interview mit dem langjährigen Viennale-Chef geführt hätte; tatsächlich scheine ich mir im Laufe der letzten Jahrzehnte einen Ruf als Nach-Rufer erworben zu haben, und nicht wenige, mehr oder weniger prominente ZeitgenossInnen versuchen tatsächlich, mir das Versprechen abzuringen, doch ihren Nekrolog gestalten zu wollen, wenn sie dereinst, eines fernen Tages, lange, lange vor mir selbst, ihre letzte Reise gen ewigen Osten antreten sollten. Frank Stronach hat mich nie darum gebeten. Doch ich glaube, die Zeit dafür ist gekommen.

Vor vielen, vielen Jahren, als das ORF-Landesstudio Niederösterreich noch von einem Juristen geführt wurde (“Jurist?”, lachte damals der Präsident der Rechtsanwaltskammer, Walter Schuppich, der mittlerweile auch schon in einem Ehrengrab der Stadt Wien ruht, “a klana Strofvateitiga …!”), machte ich auf meinen diversen Reisen (die damals noch Spaß machten) regelmäßig Radio-Interviews mit Auslandsösterreichern. Die niederösterreichische Handelskammer versorgte mich dafür dankenswerter Weise mit Kontaktnamen und -adressen. Einer der Namen, die ich damals auf eine USA-Kanada-Reise mitbekam, war “Franz Strohsack”. “Bei dem mußt aber aufpassen”, bekam ich geraten, “dem geht´s net guat: der hat g´rad sein letztes Rennpferd verkaufen müssen …”. Heißt -übersetzt: Herr Strohsack war vor 35 Jahren also offenbar – pardon – PLEITE.

Etwa fünf Jahre später – in den österreichischen Medien wurde gerade von einem Stronach-Vergnügungspark mit einer 200-Meter-Durchmesser-Kugel in der Nähe von Ebreichsdorf fabuliert – wählte ich schließlich die Telefonnummer, die mir anvertraut wurde, unter der sich allerdings kein Frank, sondern ein gewisser Herr Wolf meldete. Die TV-Geschichte kam damals nicht zustande, aber mit Herrn Wolf bin ich seitdem per “Du”, und irritiere mit großer Freude hochgestellte, gute Bekannte, wenn ich ihn heute bei besonderen Gelegenheiten mit einem betont saloppen “Servas, Sigi” begrüße.

Vor einigen Jahren schließlich flogen wir für die ORF-“Seitenblicke” nach Paris, zu einer Vorpremiere des “Crazy Horse”, zu einer Show, die bald danach in “Uncle Frank´s” Racino gastieren sollte. In Frank´s Privatmaschine, wohlgemerkt, und weil “Er” selbst nicht mit an Bord war, durfte mein Kameramann, Guido H. (vollständiger Name ist mir trotz beträchtlichem Alkoholkonsums noch bekannt), auf Frank´s Platz sitzen: den erkannte man an dem – wie nennt man das eigentlich? – Holzkügelchenauflag, einem Sitzbezug, wie ihn sonst nur osttürkische Taxifahrer in Simmering verwenden. Diese Sitzauflage (im Wert von ca. 10 €) im millionenschweren Privatjet verschaffte Uncle Frank offenbar Entspannung von der österreichischen Innenpolitik. Ich will nicht petzen, aber ich meine, damals, auf dem Flug nach Paris, den einen oder anderen Furz von Herrn Guido H. in Frank´s Holzkügelchen vernommen – und geschnuppert – zu haben.

Und jetzt – beinah 85 Jahre alt und am äußeren Ende seiner (politischen) Karriere – verzichtet Frank Stronach, wie ich eben lese, sogar auf die Teilnahme am ORF-Sommergespräch mit “Derrick” Leitner. SHOCKING! Nachdem er – mit seinem “Team” – beim letzten Mal “nur” 5,7% (und damit: 11 Mandatare) erstritten hat, tritt er bei der nächsten Nationalratswahl erst gar nicht mehr an. Ein trotziger Schlußstrich unter ein Experiment, das in anderen Kleinstaaten (z.B. USA) locker bis ganz nach oben hätte führen können. Aber die ÖsterreicherInnen sind halt undankbar. Oder vielleicht DOCH a bisserl ZU intelligent. TROTZ all jener, die wir PERSÖNLICH kennen.