Polanski, Weinstein, Spacey & Co

Posted by on Okt 31, 2017 in HOLLYWOOD & CO | No Comments
Polanski, Weinstein, Spacey & Co

Wenn´s nicht so ein Armutszeugnis für den zwischenmenschlichen Umgang miteinander wär´, dann könnt´ man ja beinah darüber lachen – so aber muß man´s bei einem verständnislosen Kopfschütteln belassen: fast von Anfang der Filmgeschichte an wurden Regisseure und Produzenten als zigarrenkauende, schmierige Typen dargestellt, die jungen Frauen gern auf den Hintern grapschen. Drehbuchautoren und Schriftsteller haben seit jeher alle hochnotpeinlichen Details beschrieben, und spätestens bei der Berichterstattung darüber war dann von der sogenannten “Besetzungscouch” die Rede, die schließlich sogar sprichwörtlich für die ganze Branche geworden ist.

Aber seit die jahrzehntelang gepflogenen – und von dessen unmittelbarer Umgebung geduldeten und gebilligten – nun, “Arbeitsmethoden” eines bekannten Filmmoguls kürzlich aufgeflogen sind, tun die einen so, als ob sie ehrlich überrascht wären, daß all das, was in und über Hollywood publiziert wird, tatsächlich wahr ist, und die anderen stimmen, wie bei Hexenjagden längst vergangen gehoffter Zeiten, in den Chor der Opfer ein, je nach Stimm(ungs)lage, befreit oder hysterisch. Und dann gibt´s noch die besonders Scheinheiligen: Netflix brach – mitten in Staffel 6 – “bis auf Weiteres” die Produktion der Serie “House of Cards” ab – offiziell, weil Hauptdarsteller Kevin Spacey von einem anderen Schauspieler sexueller Belästigungen – die 30 Jahre zurück liegen! – bezichtigt wurde und sich darauf hin umgehend als schwul outete; inoffiziell, weil die ZuseherInnenzahlen der Serie in den Keller gehen.

Dabei handelt es sich allerdings – trotz eines bekennenden Ober-Grapschers im weißen Haus – um kein amerikanisches, sondern um ein internationales Phänomen: kürzlich wurde in Frankreich gegen eine Retrospektive des polnischen Starregisseurs Roman Polanski demonstriert, dem nicht nur eine mehr als 40 Jahre zurückliegende Verführung einer Minderjährigen (was in den USA als Vergewaltigung gilt) zur Last gelegt wird: eine Deutsche hat erst kürzlich in der Schweiz eine Anzeige wegen Vergewaltigung gegen den mittlerweile 84jährigen eingebracht. In Paris demonstrierten jetzt Femen-Aktivistinnen mit nackten Oberkörpern gegen Polanski – als ob gerade das eine Strafe für ihn wär´…!

Nach etlichen Wortmeldungen zu dem Thema, die man getrost zwischen entbehrlich und fetzendeppert ansiedeln darf, hat mich der bekannte Kameramann Richard Marx auf einen – es fällt mir schwer, dieses Wort zu tippen – facebook-Eintrag (… puh, geschafft!) der von mir hochgeschätzten Schauspielerin Ina-Alice Kopp hingewiesen, in dem sie ihre Erfahrungen teilt (https://www.facebook.com/inaalicekopp/). Sehr persönlich, unaufgeregt, und deshalb besonders berührend beschreibt die in Hollywood lebende Niederösterreicherin Erlebnisse aus dem täglichen Leben einer jungen Schauspielerin, die ohne Blow-Job ihren Job tun will. Und dabei mitunter scheitert.

Als ich ihr spontan zu ihren offenen Worten gratulierte präzisierte Ina: ihre Beschreibungen beziehen sich NICHT auf ein fernes Land dubioser Moral namens Hollywood, der Großteil der von ihr geschilderten Situationen begab sich in Österreich! Und es geht dabei nicht “nur” um sexuelle Belästigung, sondern vor allem um Machtmissbrauch. Das ist nämlich kein feministisches Problem, kein Problem von Mann gegen Frau, sondern ein allgemeines Problem das die in der schwächeren Position oft an der Ausübung ihres Berufs hindert – oder oftmals auch das Auswandern ins Ausland attraktiv macht, wo man (vielleicht) “gerechtere” Chancen hat.

Um mich nicht mit fremden Federn zu schmücken: der letzte Absatz war ein ziemlich wortwörtliches Zitat von Ina. Ansonsten ist dem wenig hinzuzufügen. Außer vielleicht, daß man weiterhin ungestraft erwähnen dürfen soll, daß eine tolle Frau eine tolle Frau ist. Egal ob in Wien oder in Hollywood.