ur-voll-fett

ur-voll-fett

Der Geschmack des Grauens hat bekanntlich einen Namen: McDonald´s. Alle 2, 3 Jahre überzeuge ich mich davon, daß es sich hierbei um kein nachgeplappertes Vorurteil handelt und opfere mich daher höchstpersönlich für den Selbstversuch. Jetzt war es wieder einmal soweit. Es war die kulinarische Hölle – & nicht nur die:

Da mir im Wiener Vorstadtbezirk Meid”el”ing der berüchtigte 62A wieder einmal vor der Nase davonfuhr und es erfahrungsgemäß mindestens 10 Minuten braucht, ehe der nächste sich der Philadelphiabrücke nähert, versuchte ich den derzeit vielbeworbenen “Deal”: 2 € gegen einen Royal-Cheese-Burger. Beim Betreten des – nun, ähm – “Restaurants” steht man nicht mehr vor desinteressiertem Personal (man weiß ja: in der österreichischen Gastronomie sind derzeit knapp 6500 Jobs unbesetzt), sondern vor Computerterminals. Dort gibt man an & ein, was man konsumieren will, ob im Lokal oder zum Mitnehmen, und zahlt entweder mit Karte oder in weiterer Folge dann doch Cash bei einem richtigen Menschen. Dann wartet man auf die – wie schriftlich versichert wird – “frische Zubereitung”. Das fertige Produkt wird einem dann gegen Vorweisen eines Bons an einem Schalter ausgehändigt. Erinnert an irgendetwas zwischen Amt und Krankenhaus. Schmeckt auch so ähnlich.

3 durch die Scheibe gezählte 62As später war es dann soweit: meine Nummer “076” erschien auf dem Monitor, und ich bekam einen gerade noch lauwarmen Royal-Cheese ausgehändigt, der bestimmt irgendwann, lang davor, “frisch zubereitet” worden ist. Das geschmacksneutrale, batzweiche Weckerl mit dem undefinierbaren Inhalt hatte nicht einmal entfernt mit der Abbildung des Produkts auf dem LED-Schirm über der Theke zu tun. Unwillkürlich dachte ich an den Hollywood-Streifen “Falling Down” (1993), in dem Michael Douglas folgerichtig einen Burgerladen mit der Pumpgun zerlegte, weil ihm Vergleichbares angetan worden ist. Österreichs strenge Waffengesetze haben Meid”el”ing vor einem ähnlichen Amoklauf bewahrt.

Natürlich hat der Konzern auch sein Gutes: er erhält eine Kinderstiftung, die der Exfrau eines österreichischen Exkanzlers einen Job als Geschäftsführerin sichert. Die einzelnen Filialen eignen sich perfekt fürs Beenden von Beziehungen, weil dort genügend fette Kinder herumlümmeln, hinter denen man sich notfalls verstecken kann. Und schließlich ist McDonald´s auch Sponsor diverser Sport- und Kulturveranstaltungen – auffälligerweise allerdings nicht bei der Verfilmung des Horrorstreifens “ES”, obwohl Gruselclown Ronald McD. als Lichtdouble für Pennywise glatt durchginge. Vielleicht tritt er daher auch als Testimonial für Burger immer seltener bei Kinderparties in Erscheinung?

However: ich hab´s würgend überstanden; q.e.d., wie Mathematiker so gern unter ihre Gleichungen kritzeln: “Fast Food” darf im konkreten Fall sinngemäß als “Beinah Essen” übersetzt werden. Daß der Geschmack des Grauens McDonald´s heißt, sehe ich nicht nur durch das pelzige Gefühl auf der Zunge, sondern auch aufgrund der ersten Pustel, die ich bereits am Rücken wachsen spüre, bewiesen. Die nächsten 2, 3 Jahre werde ich das daher auch ungefragt wiederholen. Und dann schau ma weiter …